Flachdach in Holzbauweise
Aus der Gutachterpraxis: Wenn Theorie auf Realität trifft
Oft trügt der Schein einer intakten Oberfläche. In einem aktuellen Fall wurde ich zu einem Objekt gerufen, bei dem Feuchterscheinungen im Innenraum sichtbar wurden. Die anschließende Bauteilöffnung der als Dachterrasse genutzten Fläche offenbarte die Risiken von Sonderkonstruktionen im Holzbau, wenn bauphysikalische Grundsätze missachtet werden.
Hinweis: Beispielbild ohne Bezug zu dem Fall.
Die Faktenlage:
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Objekt: Staffelgeschoss in Holzrahmenbauweise
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Feststellung: Während der Belag der Dachterrasse optisch unauffällig war, zeigten Messungen an der darunterliegenden Holzschalung alarmierende Werte.
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Messergebnisse: Mittels Gann RTU 600 wurden Holzfeuchten von stellenweise über 60 M.-% dokumentiert. Zum Vergleich: Nach DIN 68800-2 darf die Einbaufeuchte von Hölzern nicht höher als 20 % liegen.
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Zustand: Die Holzwerkstoffplatten waren durch die dauerhafte Feuchte bereits in ihrer Festigkeit massiv beeinträchtigt und ließen sich ohne Werkzeug zerteilen (Würfelbruch/Fäulnis).
Fachliche Analyse: Die Untersuchung deckte eine Kette von Planungs- und Ausführungsfehlern auf:
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Fehlende Luftdichtheit: Es fehlte ein luftdichter Verschluss zwischen dem inneren Bodenaufbau und dem kalten Dachaufbau. Warme, feuchte Raumluft konnte durch Konvektion in die Dämmebene eindringen und dort kondensieren.
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Mangelhafte Entwässerung: Entgegen den Vorgaben der DIN 1986-100 und der Flachdachrichtlinie fehlte eine wirksame Notentwässerung. Dies führt bei Starkregenereignissen zu unkontrolliertem Rückstau.
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Hinterläufigkeit: Anschlüsse der Abdichtung an die Glasfassade und aufgehende Bauteile waren nicht wasserdicht ausgeführt, sodass Niederschlagswasser die Abdichtungsebene hinterlaufen konnte.
Das Fazit des Sachverständigen: Dieser Fall verdeutlicht die Notwendigkeit der strikten Einhaltung der Fachregel für Abdichtungen und der DIN 4108-3 (Klimabedingter Feuchteschutz). Insbesondere bei unbelüfteten Flachdächern in Holzbauweise („Sonderkonstruktionen“) ist ein hygrothermischer Nachweis zwingend erforderlich. Ohne fachtechnische Begleitung und Überwachung solcher kritischen Details entstehen, wie hier dokumentiert, massive Substanzschäden, die einen vollständigen Rückbau erforderlich machen können.
Diese Untersuchungen dienen nicht nur der Schadensfeststellung, sondern bilden die Grundlage für Sanierungsplanungen nach den anerkannten Regeln der Technik.
Fazit für Eigentümer und Verwalter Dieser Fall zeigt, dass optische Unauffälligkeit keine Garantie für Mangelfreiheit ist. Lassen Sie Ihr Dach vom öffentlich bestellten Sachverständigen prüfen, bevor die Gewährleistung abläuft. Hier informieren: Sachverständigenleistungen für Flachdächer



