Luftdichtheit im Steildach
Aus der Gutachterpraxis: Luftdichtheit im Steildach
Fallanalyse: Warum hochwertige Materialien allein keine Dichtheit garantieren
In der Reihe „Gutachterpraxis kompakt“ beleuchte ich regelmäßig typische Schadensbilder aus meinem Arbeitsalltag. Ein aktueller Fall verdeutlicht exemplarisch, wie kritisch die Ausführung der Luftdichtheitsebene im Steildach zu bewerten ist. Oftmals wird bei energetischen Sanierungen viel in hochwertiges Material investiert, doch das bauphysikalische Gesamtsystem scheitert an den handwerklichen Details.
Hinweis: Beispielbild ohne Bezug zu dem Fall.
Hinweis: Beispielbild ohne Bezug zu dem Fall.
Die Ausgangslage: Feuchteschäden nach der Sanierung
Bei dem betroffenen Objekt handelte es sich um einen nachträglich ausgebauten Dachstuhl. Das Ziel der Maßnahme war eine energetische Ertüchtigung, um Heizkosten zu senken und den Wohnkomfort zu steigern. Bereits kurze Zeit nach Fertigstellung, genauer gesagt nach der ersten Tauwetterperiode, zeigten sich jedoch deutliche Wasserflecken an der raumseitigen Bekleidung.
Für den Laien liegt hier oft der Verdacht nahe, dass die Dacheindeckung undicht sei und Regenwasser eindringe. Meine Untersuchung vor Ort zeigte jedoch ein anderes Bild.
Der Befund: Detailanschlüsse als Schwachstelle
Um die Ursache zweifelsfrei zu klären, war eine Bauteilöffnung der Innenbekleidung notwendig. Der Blick hinter die Kulissen bestätigte den Verdacht eines konvektiven Feuchteeintrags von innen.
Zwar wurde eine hochwertige Dampfsperrbahn verwendet, doch die fachgerechte Verarbeitung wies erhebliche Mängel auf. Bei der Begutachtung stellte ich massive Fehlstellen insbesondere in den Anschlussbereichen fest:
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Die Anschlüsse an die Kehlbalken und Mittelpfetten waren nicht luftdicht ausgeführt.
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Am Kamin fehlte der kraftschlüssige Verbund zum Mauerwerk.
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Die Folie war nicht durchlaufend verlegt, sondern wies Unterbrechungen und lückenhafte Verklebungen auf.

